Sonntag, 16. Februar 2014

Lügen oder nur Mogelei?

Die Tragödie des Karl-Theodor zu Guttenberg

Von Jürgen Dieter Ueckert

Gutti ist der Liebling der Jungen Union, der deutschen Boulevard-Zeitungen und der bunten Blätter voller Krönchen und Pseudo-Promis aus Show-Business sowie halbseidener Politik. Dass aus dem Minister Makellos ein Mogelminister wurde, das haben diese vielen Jubler bisher kaum mitbekommen.

Selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist momentan nahezu sprachlos - über die Missgriffe und Regelverstöße des CSU-Ministers von Guttenberg: Waren zu Guttenbergs Unterlassungen in seiner Doktorarbeit die Schlamperei des Vielbeschäftigten? Hat er vergessen, ob die ersten Absätze eines eigenen Buches aus eigenen Sätzen bestehen oder aus Zitaten?

Nein - was bisher schon mit journalistischer Recherche durch Süddeutsche, FAZ, SPIEGEL und NZZ herausgekommen ist, das ist für einen gewissen Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg, den deutschen Verteidigungsminister aus Bayern, nur peinlich und erbärmlich. Und auch für seinen Doktorvater Peter Häberle in Bayreuth. Besonders peinlich wird es für diesen seltsamen Professor, der offensichtlich nicht richtig recherchieren und auch nicht richtig lesen kann.

Ein Abiturient oder ein Student, der bewusst schummelt oder betrügt, der fliegt in Deutschland durch. Und das ist auch richtig so. Ein deutscher Doktorand oder ein Professor offenbar nicht.

Der Politiker zu Guttenberg musste nicht einen Doktor machen. Niemand zwang ihn dazu. Er hätte als Jurist ohne Doktor auch seine politische Karriere gemacht - bis hin zum Verteidigungsminister oder gar Kanzler. Siehe Konrad Adenauer, Helmut Schmidt, Willy Brandt oder Gerhard Schröder.

Aber ein Betrüger und Lügner wird in Deutschland nie Bundeskanzler - so hoffe ich. Denn von und zu Guttenberg hat gnadenlos abgeschrieben, kopiert und somit gelogen, geschummelt sowie hemmungslos Blendgranaten in seine Doktorarbeit geworfen. Offensichtlich. Selbst von Zeitungen wie FAZ, Süddeutsche und NZZ hatte er nachweislich abgekupfert. Schamlos.

Es sind schon deutsche Minister zurücktreten, die nicht gelogen und betrogen haben, die keine Schuld trugen - sondern nur weil sie Verantwortung übernommen hatten für Vorgänge, die in ihrem Ministerium von anderen schief getätigt wurden.

Im Merkel-Lager - und das nicht nur in Berlin - zittern nun viele in der Angst vor einem Lügen-Doktor-Gau: Nicht Karl-Theodor zu Guttenberg hätte diese Zitat-Fehler gemacht, sondern ein noch unbekannter Ghostwriter.

Aussitzen geht nicht mehr. Absturz oder - was noch? Dass Freiherr zu Guttenberg viel zu hoch gestiegen ist - und nicht bemerkt hatte, dass seine Federn nur im selbstgekochten Wachs stecken, also in selbstgebastelten Flügeln ... das ist jetzt seine Tragödie. Sein Guttengate.

17.02.2011

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