Die Tragödie des Karl-Theodor zu Guttenberg
Von Jürgen Dieter Ueckert
Gutti
ist der Liebling der Jungen Union, der deutschen Boulevard-Zeitungen
und der bunten Blätter voller Krönchen und Pseudo-Promis aus
Show-Business sowie halbseidener Politik. Dass aus dem Minister Makellos ein Mogelminister wurde, das haben diese vielen Jubler bisher kaum mitbekommen.
Selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist momentan nahezu sprachlos - über die Missgriffe und Regelverstöße des CSU-Ministers von Guttenberg: Waren
zu Guttenbergs Unterlassungen in seiner Doktorarbeit die Schlamperei
des Vielbeschäftigten? Hat er vergessen, ob die ersten Absätze eines
eigenen Buches aus eigenen Sätzen bestehen oder aus Zitaten?
Nein - was bisher schon mit journalistischer Recherche durch Süddeutsche,
FAZ, SPIEGEL und NZZ herausgekommen ist, das ist für einen gewissen Dr.
Karl-Theodor zu Guttenberg, den deutschen Verteidigungsminister aus
Bayern, nur peinlich und erbärmlich. Und auch für seinen Doktorvater
Peter Häberle in Bayreuth. Besonders peinlich wird es für diesen
seltsamen Professor, der offensichtlich nicht richtig recherchieren und
auch nicht richtig lesen kann.
Ein Abiturient oder ein
Student, der bewusst schummelt oder betrügt, der fliegt in Deutschland
durch. Und das ist auch richtig so. Ein deutscher Doktorand oder ein
Professor offenbar nicht.
Der Politiker zu Guttenberg
musste nicht einen Doktor machen. Niemand zwang ihn dazu. Er hätte als
Jurist ohne Doktor auch seine politische Karriere gemacht - bis hin zum
Verteidigungsminister oder gar Kanzler. Siehe Konrad Adenauer, Helmut
Schmidt, Willy Brandt oder Gerhard Schröder.
Aber ein
Betrüger und Lügner wird in Deutschland nie Bundeskanzler - so hoffe
ich. Denn von und zu Guttenberg hat gnadenlos abgeschrieben, kopiert und
somit gelogen, geschummelt sowie hemmungslos Blendgranaten in seine
Doktorarbeit geworfen. Offensichtlich. Selbst von Zeitungen wie FAZ,
Süddeutsche und NZZ hatte er nachweislich abgekupfert. Schamlos.
Es
sind schon deutsche Minister zurücktreten, die nicht gelogen und
betrogen haben, die keine Schuld trugen - sondern nur weil sie
Verantwortung übernommen hatten für Vorgänge, die in ihrem Ministerium
von anderen schief getätigt wurden.
Im Merkel-Lager -
und das nicht nur in Berlin - zittern nun viele in der Angst vor einem
Lügen-Doktor-Gau: Nicht Karl-Theodor zu Guttenberg hätte diese
Zitat-Fehler gemacht, sondern ein noch unbekannter Ghostwriter.
Aussitzen
geht nicht mehr. Absturz oder - was noch? Dass Freiherr zu Guttenberg
viel zu hoch gestiegen ist - und nicht bemerkt hatte, dass seine Federn
nur im selbstgekochten Wachs stecken, also in selbstgebastelten Flügeln
... das ist jetzt seine Tragödie. Sein Guttengate.
17.02.2011
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